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Neues Spendenkonto – jetzt direkt an die Sozialklinik Arta spenden!

Für die Sozialklinik und Apotheke in Arta kann ab sofort auf das gerade eröffnete Konto des Freundesvereins der Sozialklinik Arta gespendet werden.
Friends of the Social Clinic and Pharmacy of Arta
PIRAEUS BANK
Kto.: 54000 84574852
IBAN:  GR 87 0172 4000 0054 0008 4574 852
Mögliche Verwendungszwecke der Spenden sind derzeit:
Das völlig unterversorgte Flüchtlingscamp Filippiada in der Nähe Artas, das die Aktiven der Sozialpraxis Arta regelmäßig besuchen.
Nahrungsmittelspenden für verarmte Personen und Familien in Arta (die Sozialpraxis ist hier besonders vor Weihnachten und Ostern aktiv).
Und Spenden für die Soziale Arztpraxis (Medikamente, laufende Kosten), denn obwohl im April ein neues Gesetz in Kraft trat, das die Gesundheitsversorgung auch für Unversicherte ermöglicht,
sind die Krankenhäuser in Punkto Materialausstattung weiterhin unterversorgt.
 Noch einmal vielen Dank für die vielen Spenden, die im Jahr 2016 (besonders im März und April für die Geflüchteten in Idomeni) zusammengekommen sind (insgesamt rund 20.000 Euro) !!!!
(Siehe in diesem Zusammenhang auch den ausführlichen Bericht über unsere Spendenreise nach Thessaloniki Ende April auf dieser Website:
(Der Umweg über die Kooperation mit der Humanitären Cubahilfe Bochum fällt in Zukunft weg (unsere Kooperation lief Ende Juni aus, weil sie für die HCH einen zu hohen Arbeitsaufwand darstellte)).
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Grönemeyer

Bochum – Μπόχουμ – ο μοναδικός ύμνος για την εργατούπολη – μία από τις μεγαλύτερες γερμανικές επιτυχίες ever σε ελλ. μετάφραση

ΜΠΟΧΟΥΜ (Herbert Grönemeyer)

Ναι – οι γερμανοί έχουμε τραγούδια, αν και πολλοί απο μας αγαπάμε τον Θεοδωράκη και τον Παπακωνσταντίνου, την Φαραντούρη και την Αλεξίου… εδώ θα σας παρουσιάσουμε μερικά από αυτά, έτσι για να πάρετε μία ιδέα, και κάνουμε την αρχή με ίσως τον πιο σημαντικό τραγουδοποιό της εποχής μας, τον Herbert Grönemeyer που με τη ροκ μουσική και τα τραγούδια του γεμίζει τα στάδια σ‘ όλη τη Γερμανία. Το πιο γνωστό του τραγούδι είναι ό ύμνος για το ειλικρινές πνεύμα της εργατούπολης του Μπόχουμ, απ‘ όπου και κατάγεται, και είναι από τα δημοφηλέστερα γερμανικά τραγούδια ακόμη και σήμερα.

Συνθέτης και ερμηνευτής Χέρμπερτ Γκρένεμαϊερ, από τον ομώνυμο δίσκο του από το 1984

Βαθιά στη δύση

Εκεί που ο ήλιος σκονίζεται

Είναι καλύτερα

Πολύ καλύτερα

Απ‘ ό,τι πιστεύει κανείς

Βαθιά στην δύση


Δεν είσαι καλλονή

Έχεις γκριζάρει από την πολλή δουλειά

αρέσκεσαι να είσαι αμακιγιάριστη

Είσαι απλή και αξιόπιστη

Δυστυχώς τελείως κακοχτισμένη[1]

Αλλά αυτή είσαι


Έχεις ατσάλινο παλμό

Τον ακούς δυνατά την νύχτα

Είσαι απλά πολύ ταπεινή

Ο ανθρακόχρυσός σου

Μας επανάφερε ψηλά

Λουλούδι εσύ στο Ρουρ


Μπόχουμ

Από σένα κρατάω

Μπόχουμ

Δεν σ ‘αφήνω

Με το καλό να ξαναβγούμε στην επιφάνεια[2]

Μπόχουμ


Δεν είσαι πόλη κοσμοπολίτικη

Στην βασιλική λεωφόρο σου

Δεν γίνονται επιδείξεις μόδας[3]

Εδώ όπου μετράει ακόμη η καρδιά

Κι‘ όχι το μέγα χρήμα

Μα και ποιος άραγε κατοικεί στο Ντίσελντορφ

Μπόχουμ


Είσαι κρεβάτι τ΄ ουρανού για περιστέρια [4]

Και πάντα μαστουρομένο στο κοκ[5]

Σε κηπάκι[6] έχεις το κιόσκι σου

Και με δυό μπαλιές

τρως κάθε αντίπαλο

εσύ και η ομαδάρα σου[7]

Μπόχουμ


[1] Στον Β‘ παγκόσμιο πόλεμο στο Μπόχουμ καταστράφηκε περίπου το 40 % των κτηρίων λόγω βομβαρδισμών. Η ανοικοδόμηση έγινε αναγκαστικά και δίχως οικοδομικό σχέδιο.

[2] „Glückauf“: Ευχή των ανθρακωρύχων, κυριολεκτικά: τύχη απάνω

[3] Υπαινιγμός στην ομώνυμη λεωφόρο Königsallee στο Ντίσελντορφ με τα πολλά μαγαζιά πολυτέλειας μόδας

[4] Υπαινιγμός στους πολλούς συλλόγους για την εκτροφή περιστεριών, ένα από τα πιο αγαπημένα αθλήματα των εργατών.

[5] Υπαινιγμός στα χαλυβουργεία όπου με κοκ ζεσταίνουν την υψικάμινο

[6] Τα κηπάκια που βρίσκονταν κοντά στα στενά σπιτάκια των εργατών λειτουργούσαν ως κήποι για την φύτευση λαχανικών και την προσωπική τους κατανάλωση.

[7] Η ομάδα ποδοσφαίρου του Μπόχουμ Φαου Εφ Ελ (VfL) Bochum παίζει στην Μπουντεσλίγκα. Σε κάθε ματς παίζουν το τραγούδι αυτό στο Στάδιο και οι θεατές τραγουδούν ενώ σ ‘αυτόν τον στίχο οι οπαδοί αρχίζουν να χειροκροτούν και να υποστηρίζουν την ομάδα τους.

(Μετάφραση στα ελληνικά Céline Spieker και Κώστας Ανδρικόπουλος)

 

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Solitaire ou Solidaire? Filmscreening – Diskussion – Rembetiko Live-Musik – 30.09.2016, 19.00 Uhr

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Einsam oder Gemeinsam?
Die Hellas Solidarität Bochum lädt ein, den dieses Jahr entstandenen Dokumentarfilm über die Solidarische Klinik von Thessaloniki anzuschauen und im Anschluss mit einer der Filmemacherinnen, Stavroula Poulimeni, und einer Aktivistin der Klinik, Eva Babalona, zu diskutieren.

Solitaire ou Solidaire?

Ein Film von: Eirini Karagkiozidou, Akis Kersanidis, Aimilia Kouyioumtzoglou, Kiki Moustakidou, Stavroula Poulimeni, Chrysa Tzelepi
70 Minuten (gr. m. dt. U.), Thessaloniki 2016
Wie kein anderes Land hat Griechenland unter der Finanzkrise und Austeritätspolitik Europas zu leiden. Folge ist u.a. ein weitgehender Zusammenbruch des Gesundheitssystems. Um dieser Entwicklung zu begegnen, haben sich Soziale Arztpraxen und Apotheken gegründet, die notleidende Griech*innen und Flüchtende versorgen.
 
Die Dokumentation zeigt die Enstehung, Entwicklung und den Arbeitsalltag der Sozialen Klinik in Thessaloniki (KIA), stellvertretend für über 200 Einrichtungen dieser Art in ganz Griechenland.
 

Für die solidarischen Initiativen stellt sich grundsätzlich die Frage, inwieweit sie staatliche Aufgaben und Verpflichtungen wahrnehmen wollen. Sind sie nur ein Pflaster für die fehlende staatliche Versorgung oder Keimzelle einer solidarischen Alternative?

  
Wo: bei ver.di in Bochum, Universitätsstraße 76,

Wann: am 30.09.2016, um 19.00 Uhr

Grußwort: Katharina Schwabedissen, Gewerkschaftssekretärin bei ver.di, Fachbereich 3 Gesundheit und Soziales
Der Abend wird musikalisch begleitet mit Rembetiko Live-Musik von Dimitris Pradekos und Freunden
Eintritt frei, um eine Spende wird gebeten
kleines Buffet und Getränke vorhanden
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Otto-Brenner-Stiftung der IG-Metall hat aktuell eine Studie zur Griechenlandberichterstattung von ARD und ZDF veröffentlicht

Die öffentlich-rechtliche Berichterstattung zur griechischen Staatsschuldenkrise

War die öffentlich-rechtliche Berichterstattung über die Griechenlandkrise neutral und ausgewogen? In welchem Verhältnis stehen positive und negative Wertungen über die beteiligten Akteure? Das OBS-Arbeitsheft 87 analysiert die Berichterstattung von „Tagesschau“ und „Heute“ und den Sondersendungen „Brennpunkt“ und „ZDF spezial“ zur griechischen Staatsschuldenkrise im gesamten Jahr 2015. Dabei werden erhebliche Probleme in der Qualität der TV-Berichterstattung identifiziert: Während die Berichterstattung der Nachrichtensendungen die Relevanz des Themas angemessen widerspiegelte und hier auch das Kriterium der Vielfalt erfüllt wurde, zeigten sich Mängel bei den Kriterien der Neutralität, der Ausgewogenheit und der analytischen Qualität. Im Kontext der wichtigen Bedeutung die einem funktionierenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk für die gelebte Vielfalt einer engagierten Zivilgesellschaft und für die Stabilität eines demokratischen Gemeinwesens zukommt, Stichwort Vertrauen, sollten die benannten Missstände dringlich wahrgenommen und künftig vermieden werden.

Telepolis berichtete über die Studie: http://www.heise.de/tp/artikel/49/49386/1.html

Und hier ist die Übersichtsseite der Studie mit den einzelnen Kapiteln zum Herunterladen:

PDF der Studie hier: https://www.otto-brenner-shop.de/uploads/tx_mplightshop/AH87_Griechenland_web.pdf

Im März 2016 hatte die Hans-Böckler-Stiftung bereits ihre Studie zur Berichterstattung in den Zeitungen veröffentlicht. Deutsche Medien haben über die griechische Schuldenkrise dieser Studie zufolge oft unausgewogen und oberflächlich berichtet. Die Berichterstattung sei mehrheitlich meinungsorientiert und wertend gewesen, hieß es in der am Mittwochabend in Berlin vorgestellten Untersuchung im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. So seien etwa Mitglieder der griechischen Regierung überwiegend negativ dargestellt worden.

Für die Studie untersuchten Wissenschaftler der Universität Würzburg die Griechenland-Berichterstattung im ersten Halbjahr 2015 am Beispiel der Tageszeitungen „Die Welt“, „Bild“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Süddeutsche Zeitung“ und „taz“ sowie der Onlineplattform „Spiegel Online“.

Bericht im Tagesspiegel vom 24.03.2016 hier: http://www.tagesspiegel.de/medien/studie-der-hans-boeckler-stiftung-deutsche-medien-berichten-unausgewogen-ueber-griechenland/13364784.html

http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_study_45_2016

Zusätzlich hat sich die Ständige Publikumskonferenz, ein Verein aus Leipzig, der sich die demokratische ‚Rückeroberung‘ des die eigenen rechtlichen Vorgaben der Rundfunkverträge zunehmend reichlich stiefmütterlich behandelnden öffentlich-rechtlichen Rundfunks zum Ziel gesetzt hat, eine Untersuchung des ARD/ZDF-„Story Tellíng“ zu Griechenland gründlich vor die Brust genommen und dabei auch die Journalistenausbildung der ARD/ZDF-Fernsehakademie beleuchtet. Als Eindruck kann hier geschaut werden:

https://publikumskonferenz.de/blog/2016/08/07/1523/

Ob die Einsicht in eine asymmetrische Berichterstattung auch auf die Politik der Bundesregierung wirken wird, bleibt abzuwarten. Skepsis ist geboten. Aber dass die wachsende Medienkritik auf die ÖR-Redaktionen einwirken könnte, ihren Job wieder solide zu machen und Multiperpektive zu ermöglichen, wäre ja schon ein richtiger Schritt in Richtung der Demokratisierung Deutschlands und der EU.

BURNING FROM THE INSIDE

Am Samstag, den 11.06.2016, findet, anlässlich des 72. Jahrestages des Massakers von Distomo (10. Juni 1944), ein Filmabend im Sozialen Zentrum Bochum statt.

Wir zeigen den Dokumentarfilm von Marsia Tzivara

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Neo-Nazis erhalten nicht nur in Deutschland Zulauf, auch in Griechenland haben sie Aufwind: 2012 schaffte es die Partei Goldene Morgenröte dort sogar erstmals ins Parlament. In ihrem Dokumentarfilm „Burning From The Inside“ befragt Marsia Tzivara griechische Migranten in Berlin zu ihrer Sicht auf die politischen Entwicklungen in ihrer Heimat: auf die Wahlerfolge der Neo-Nazis in Griechenland, auf die faschistischen Strukturen, auf den sozialen Verfall. Wie wurde die „Wiege der Demokratie“ zu einem Land, das von innen brennt? Tzivara untersucht außerdem die Beziehungen zwischen deutschen und griechischen Neo-Nazis – wie ähnlich oder unterschiedlich operieren sie in den jeweiligen Ländern? Und sie blickt auf den Widerstand gegen rechtsextreme Organisationen und Einstellungen, bei dem Griechen und Deutsche zusammenarbeiten.

Als besonderes Highlight des Abends wird die Produzentin und Regisseurin des Films, Marsia Tzivara, anwesend sein und im Anschluss an die Vorführung für eine Diskussion zur Verfügung stehen.

Abgerundet wird die Veranstaltung durch einen musikalischen Beitrag (Lieder des Widerstandes – Mikis Theodorakis).


Dokumentarfilm BURNING FROM THE INSIDE (OmU)
D/Griechenland 2014, 64 min, Regie: Marsia Tzivara

Wann:      11.06.2016 um 19:30 Uhr
Wo:           Soziales Zentrum Bochum  

                   Josephstr. 2, 44791 Bochum

Der Eintritt ist kostenlos. Wer möchte, kann durch eine Spende zur Finanzierung des Abends beitragen. 

Chrisi Avgi Demo

We don__t demand food and water we demand open the border

Hellas Solidarität Bochum unterstützt Geflüchtete in Idomeni

Wie angekündigt besuchten wir als Vertreter*innen der Hellas Solidarität Bochum vom 30. März bis zum 3. April 2016 Thessaloniki, um die im März von vielen Spender*innen erhaltenen 11.300 Euro direkt in Griechenland zugunsten der Geflüchteten einzusetzen. Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Spender*Innen! Ihr seid vorbildlich! Im folgenden Text möchten wir berichten, wofür wir die Gelder eingesetzt haben und wie unser Besuch in Thessaloniki verlief. Dabei schildern wir auch einige persönliche Begegnungen mit solidarischen Gruppen und Personen.

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Direkt nach unserer Ankunft am Mittwochabend besuchten wir den „Solidarischen Frauentreff Thessaloniki“ (Χώρος Αλληλεγγύης Γυναικών) im Zentrum Thessalonikis. Dort wurden wir von verschiedenen Aktivistinnen, u. a. der Vorsitzenden Voula Taki, empfangen. Mit ihnen konnten wir uns über unsere Aktivitäten und insbesondere die Flüchtlingssituation in Idomeni, Thessaloniki und Umgebung austauschen. Der offene Frauentreff Thessaloniki wurde vor einigen Jahren gegründet, um die von der Eurokrise und der Kürzungspolitik in Griechenland besonders stark betroffenen Frauen und ihre Kinder zu unterstützen. Denn die Arbeitslosigkeit von ca. 25 Prozent trifft oft Frauen und führt damit besonders häufig zu Armut, zusätzlich leiden sie unter der gerade in Krisenzeiten ansteigenden häuslichen Gewalt. Aktuell liegt ein Schwerpunkt ihres Engagements in der Unterstützung von flüchtenden und migrierenden Frauen und ihren Familien.

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Im Frauentreff lernten wir auch eine flüchtende Syrerin mit ihrer Tochter und ihrem Sohn kennen. Die Aktivistinnen organisierten und begleiteten einen Krankenhausbesuch für den an Diabetes erkrankten Jungen und brachten die Familie zwischenzeitlich bei sich privat unter. Der Mann und Vater befindet sich indes bereits als anerkannter Flüchtling mit einem älteren Sohn der Familie in Gelsenkirchen, die Mutter der Frau in Bochum. Aufgrund des Diabetes des Jungen war der Vater zunächst ohne seine Frau und die beiden jüngeren Kinder nach Deutschland gekommen. Die Aktivistinnen des Frauentreffs wollen sich nun gemeinsam mit der Familie beim deutschen Generalkonsulat in Thessaloniki für eine Familienzusammenführung einsetzen.

Am Donnerstagmorgen kauften wir zusammen mit Aktivistinnen des Frauentreffs Hygieneartikel, Trinkflaschen und Kinderkleidung im Wert von knapp 1.100 Euro und verteilten sie anschließend im Flüchtlingscamp Idomeni. Dazu nutzten wir den Stand der NRO PRAKSIS (s. u.) während der Essensausgabe. Die Situation im Camp war an diesem sonnigen und warmen Tag insgesamt ruhig, aber wir konnten die Anspannung unter den Geflüchteten spüren. Zum Zeitpunkt unseres Besuches hielten sich hier etwa 11.500 Geflüchtete und Migrant*innen auf, darunter sehr viele Kinder, die zum Teil unbegleitet und auf sich allein gestellt sind. Einen Großteil der Hilfe leisten, wie in allen nichtoffiziellen Camps in Griechenland, unabhängige Helfer*innen, sogenannte Freiwillige, ohne deren Einsatz die Situation in Idomeni unerträglich sein dürfte. Zweimal am Tag können sich die Flüchtlinge und Migrant*innen Essen an der zentralen Verteilstation abholen. Da dies aber nur reicht, um den schlimmsten Hunger zu stillen, bereiten sich viele Geflüchtete zusätzlich Essen auf Feuerstellen zu, die sie aus Blechkanistern und anderem Material improvisieren und vor den Zelten aufstellen.

Idomeni Asylum Service does not answer. Call again in next life

In der Nacht von Samstag, den 1. April, auf Sonntag, den 2. April, soll es zum wiederholten Mal zu Auseinandersetzungen unter einigen Geflüchteten gekommen sein. Die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit nehmen angesichts der fehlenden Aussicht auf eine Weiterreise nach Mittel- und Nordeuropa und der schlechten Lebensbedingungen im Camp zu, hinzu kommen die psychische Belastung aufgrund des langen Aufenthalts in Lagern und die Traumata aus den Kriegs- und Fluchterlebnissen.  Das Leben im Lager besteht häufig aus stundenlangem Anstehen an den Essensausgaben, bei Ärzten oder nach Dokumenten. Viele Flüchtende sind nun seit zwei Monaten den desaströsen Verhältnissen in Idomeni ausgesetzt. Entladungen aufgestauter Aggression und Frustration sind da unumgänglich. Gewollte oder zumindest in Kauf genommene Nebeneffekte einer Politik der geschlossenen Grenzen? Die aktuell von der griechischen Regierung offiziell avisierte Frist zur Räumung des Lagers Idomeni ist Ende April.

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Neben den offiziellen Lagern, die vom Militär betrieben werden, wie das Lager im Hafen von Thessaloniki selbst, bei Nea Kavala und bei Kilkis (Cherso), bestehen in der weiteren Umgebung von Thessaloniki diverse informelle, „wilde“ Camps. Auf dem Weg nach Idomeni machten wir einen Stopp auch in einem solchen Camp, das sich auf dem Gelände einer Tankstelle bei Polikastro befindet und in dem etwa 800 Flüchtende leben. Wie wir erst nach unserer Rückkehr aus den Medien (u. a. Liveticker Eidomeni: http://livetickereidomeni.bordermonitoring.eu) erfuhren, begann dort am Samstag, den 2. April, eine weitere Blockade der Fernstraße E75 zwischen Thessaloniki und der FYRO Makedonien für LKW, die bis zum 3. April andauerte. Wie Neal McQueen, ein seit einigen Monaten aus Griechenland berichtender Fotograf, in seinem Blog ‚perilioushope‘ schreibt (http://periloushope.tumblr.com), ging der Protestaktion die Schließung des Doktorzeltes durch die griechische Polizei im Camp voraus. Am 4. April wurde dann laut verschiedener Quellen die E75 auch durch Flüchtende des Camps bei Idomeni auf Höhe des Hotels „Hara“ blockiert.

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Am Freitag, den 1. April, trafen wir uns, begleitet von Voula Taki, mit der NRO PRAKSIS (Programs of Development, Social Support and Medical Cooperation) in einem ihrer Praxisräume in Thessaloniki und informierten uns über ihre Arbeit. PRAKSIS hat es sich zum Ziel gesetzt, den sozialen und wirtschaftlichen Ausschluss sozial schwacher Gruppen zu bekämpfen und deren persönliche und soziale Rechte zu verteidigen. Sie betreuen sowohl griechische Arme und Obdachlose, als auch Flüchtende, stellen Tages- und Dauerunterkünfte für Obdachlose und Asylsuchende und sichern darüber hinaus über verschiedene Polykliniken und mobile medizinische Einheiten deren medizinische Versorgung.

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PRAKSIS erhielten von uns medizinisches Equipment, u. a. eine Babywaage und ein Blutdruckmessgerät, im Wert von 500 Euro zur Unterstützung einer mobilen medizinischen Einheit für Flüchtende in Idomeni und Thessaloniki, das wir in einer Apotheke in Thessaloniki gekauft hatten. Die weitere finanzielle Unterstützung in der Höhe von 1000 Euro für einen Einkauf zum Aufbau einer zusätzlichen mobilen medizinischen Einheit wurde an diesem Tag vereinbart.

Am Nachmittag kauften wir gemeinsam bei Bios COOP ein, einem kooperativen nonprofit Biosupermarkt in Thessaloniki, der überwiegend biologisch angebaute, gentechnikfreie Produkte aus der Umgebung Thessalonikis verkauft. Um die Produkte erschwinglich zu machen, umgeht Bios COOP den Zwischenhandel und arbeitet direkt mit der landesweit vertretenen „Greek Food Coop“ zusammen, in der sich Landwirtschaftskooperativen und kleine Produzenteneinheiten zusammengeschlossen haben, um qualitativ hochwertige, lokale Produkte zu günstigen Preisen bei gleichzeitig fairer Bezahlung der Produzenten herstellen zu können.

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Die bei Bios COOP gekauften Lebensmittel im Wert von etwa 410 Euro werden von den Aktivistinnen vom Frauentreff eingesetzt, um Flüchtlingsfamilien zu versorgen, die beispielsweise aufgrund von Krankheit oder Schwangerschaft besonders gefährdet sind und deshalb privat bei Aktivistinnen des Frauentreffs untergebracht werden.

Nachdem wir bereits vor unserem Besuch in Thessaloniki ca. 4.800 Euro aus Spendengeldern für Flüchtende in Idomeni, für Zelte, Medikamente, Nahrungsmittel und Hygieneprodukte eingesetzt hatten, konnten damit nun also weitere ca. 4.530 Euro für diese Zwecke direkt in Nordgriechenland verwendet werden.

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Vom Freitagabend bis zum Sonntag stand unsere Reise dann ganz im Zeichen der Sozialen Arztpraxen. Bei einem Abendessen mit Vertreter*innen der Sozialen Arztpraxis und Apotheke Arta (KIFA Arta), die von der Bochumer Hellas-Solidarität seit Juni 2015 regelmäßig unterstützt wird und die mit einer Delegation im Dezember letzten Jahres Bochum besucht hatte, tauschten wir am Freitagabend Informationen u. a. über die aktuelle Situation der Flüchtenden im staatlichen Flüchtlingslager Filippiada bei Arta und in Bochum aus. Die Aktivist*innen der KIFA Arta betreuen, über ihre Aufgaben in der solidarischen Krankenversorgung in Arta hinaus, Flüchtende in diesem, etwa 50 km südlich von Arta entfernten Camp (Filippiada). Für diesen Zweck stellten wir ihnen 2.000 Euro zur Verfügung, mit denen sie gerne einen Spielplatz für die Geflüchteten im Lager Filippiada bauen würden. Außerdem gaben wir der Sozialen Arztpraxis und Apotheke Arta im Namen der Hellas-Solidarität Bochum 1.500 Euro für die Belange der Arztpraxis, die wir bereits vor dem Spendenaufruf vom März zugunsten der Praxis eingesammelt hatten.

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Am Samstagvormittag nahmen wir als Unterstützer*innen der Sozialen Arztpraxis und Apotheke KIFA Arta am gesamtgriechischen Treffen der griechischen solidarischen Arztpraxen in Thessaloniki teil, dessen Abschlussdokument u.a. die weitere Notwendigkeit der Unterstützung der Menschen ohne Zugang zum staatlichen Gesundheitssystem und besonders der in Griechenland gestrandeten Geflüchteten betont. Die rund 25 anwesenden Solidarischen Arztpraxen und Apotheken wenden sich darin entschieden gegen jegliche Vereinnahmung ‒ auch seitens der Regierung ‒ und betonen ihre demokratischen Entscheidungsstrukturen. (Presseerklärung griechisch hier: http://www.solidarity4all.gr/el/news/5η-πανελλαδική-συνάντηση-κιφα-η-ανάγκη-που-μας-γέννησε-εξακολουθεί-να-υπάρχει ).

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Anlässlich der Vorstellung ihrer Aktivitäten durch die Vorsitzende der Sozialen Arztpraxis und Apotheke erhielten wir die Gelegenheit von unserer Initiative und der Zusammenarbeit mit Arta zu berichten. Natürlich erzählten wir auch von unserem Spendenaufruf für Idomeni und unseren Aktivitäten während unseres Besuchs in Griechenland. Aber wir übermittelten auch Informationen über die Situation der Geflüchteten in Deutschland und von den vor dem Rathaus streikenden Geflüchteten in Bochum. (http://www.bo-alternativ.de/2016/04/07/erklaerung-der-gefluechteten-des-protestcamps-vor-dem-rathaus/) Aktuell machten wir in Thessaloniki außerdem auf den mehrsprachigen Aufruf „Trains of Hope“ aufmerksam, der den sofortigen Einsatz der freien Eisenbahn-Kapazitäten der Deutschen Bahn AG auf der Verbindung Athen – Thessaloniki – Berlin fordert, um die Geflüchteten aus Idomeni nach Deutschland zu bringen (http://faktencheckhellas.org/appell/ ).

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Am Nachmittag wurden wir von Maria und Haris interviewt. Maria ist Lehrerin und Aktivistin der sozialen Arztpraxis Arta, Haris ist Professor für Ökonomie in Preveza und schreibt Artikel für lokale Zeitungen und gelegentlich für die überregionale Zeitung EfSyn, die nach dem Konkurs der Vorgängerzeitung Eleftherotypia von den Redakteur*innen und Angestellten übernommen wurde und seitdem sehr erfolgreich genossenschaftlich weiter geführt wird. Die Ergebnisse des Gedankenaustausches, in dem es um die Austeritätspolitik und ihre Auswirkungen, die Sozial- und Flüchtlingspolitik, die politische Lage in Griechenland, Deutschland und Europa, insbesondere unter dem Gesichtspunkt des Erfolges rechtsextremer Bewegungen und Parteien sowie um solidarische Initiativen und NGOs in der Sozial- und Flüchtlingsarbeit ging, sollen in lokalen Zeitungen in Arta und möglicherweise in der Zeitung EfSyn publiziert werden.

Insgesamt konnten wir im Zusammenhang mit dem Spendenaufruf für die Flüchtenden in Idomeni vom 1. März in kurzer Zeit ca. 11.300 Euro an Spenden sammeln und diese bis zum 3. April für Flüchtende in Griechenland einsetzen. Das gespendete Geld ist in voller Höhe den Flüchtenden zugutegekommen, die Reise nach Thessaloniki wurden von uns selbst als Mitglieder der Hellas Solidarität komplett privat finanziert. An dieser Stelle bedanken wir uns noch einmal ganz herzlich bei allen Spender*innen und den solidarischen Initiativen in Griechenland.

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Idomeni – Spendenaktion für Flüchtende – Update 23.03.2016

In der letzten Woche konnten wir als Hellas Solidarität Bochum weitere 2.500 € für Hilfsgüter nach Griechenland überweisen. Mit diesem Geld haben die Aktivistinnen von der Initiative „Solidarischer Frauenraum Thessaloniki“  („Χώρος Αλληλεγγύης Γυναικών“) Medikamente, Hygieneartikel und Babynahrung gekauft und diese am Samstag, den 19.03. 2016 an die Flüchtenden in Idomeni verteilt. Nochmal Dank an alle Spender*innen und an die Initiative Χώρος Αλληλεγγύης Γυναικών!

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Unsere Spenden in Nordgriechenland

Neben unseren bereits am 10. März 2016 gespendeten 40 Zelten und den dazugehörigen Matten im Wert von ca. 2.300 € (siehe Bericht auf dieser Seite), haben wir also kurzfristig weitere 2.500 € aus den Spendengeldern für die in Idomeni festsitzenden Flüchtenden eingesetzt. Nun haben wir uns entschlossen selbst dorthin zu fahren, um zu sehen, was dort im Moment am meisten gebraucht wird, diese Hilfsgüter zu kaufen und in die nordgriechischen Flüchtlingslager zu bringen, also auch nach Idomeni und nach Cherso (Kilkis). Im Anschluss an unseren Aufenthalt werden wir an dieser Stelle berichten. Spendet weiterhin auf unser (gemeinnütziges) Konto (siehe unten). U. a. planen wir den Kauf von Babytragebeuteln und noch einmal Zelten.

 

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Einige Worte zu unserer Kooperation mit griechischen lokalen Initiativen. Wir arbeiten eng mit ihnen zusammen, weil sich die Bedürfnisse in den Camps laufend ändern und sie diese kennen und tagesaktuelle Bedarfslisten erstellen. Das ist wichtig, weil die Initiativen oft nur über sehr begrenzte Lagermöglichkeiten verfügen und beispielsweise umfangreiche Lieferungen von Kleidung wenig hilfreich sind, wenn es gerade darum geht, Wasser und Nahrungsmittel zu verteilen und einzulagern. Auch die Medikamente kaufen wir nach diesen aktuellen Bedarfslisten, und zwar meistens in Griechenland selbst. Zum einen haben sie dann auch griechische Beipackzettel, zum anderen unterstützen wir auch die Nachhaltigkeit des griechischen Gesundheitssystems. Ein weiterer Vorteil unserer Zusammenarbeit mit den Initiativen dort ist, dass wir lokale Akteur*innen darin unterstützen, Kontakte zu den Flüchtenden aufzubauen, was ihre Integration potentiell auch in Griechenland ermöglicht. Fast die gesamte Flüchtlingshilfe in Griechenland wird von der Zivilgesellschaft geleistet, die durch die Kürzungen von Löhnen und Renten am Rande ihrer Möglichkeiten ist. Dennoch ist die Hilfsbereitschaft beispielhaft. Gut ist auch, dass wir mehr Gruppen und Einzelpersonen in Griechenland kennenlernen und so das europäische Solidaritätsnetzwerk ausbauen können.

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Das Camp in Idomeni soll zwar bis Ende März geräumt werden, doch viele Flüchtende wollen dort an der Grenze bleiben, weil sie noch immer auf eine Weiterreise nach Nord- und Mitteleuropa hoffen. Jeden Tag kommen – trotz des Abkommens der EU mit der Türkei – weitere Hunderte Flüchtende in Piräus an. Viele von ihnen wollen immer noch nach Idomeni und wehren sich gegen ihre Verteilung auf provisorisch angelegte Notlager in ganz Griechenland, aber besonders im Norden. Möglicherweise spielen bei dieser örtlichen Konzentration Überlegungen aus dem EU-Abkommen über die Abschiebungen in die Türkei eine Rolle. Schon jetzt werden Migrant*innen und Flüchtende von Lesbos nach Kavala und anschließend über Land in die Türkei gebracht.

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EU-Gipfel in Brüssel zur Flüchtlingsfrage: Was sieht er im Einzelnen vor?

Beim EU-Gipfel in Brüssel haben sich die 28 Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten mit der Türkei derweil auf ein gemeinsames Vorgehen in der Flüchtlingsfrage geeinigt. Dieses sieht vor, dass ab dem 20. März in Griechenland ankommende Flüchtlinge in die Türkei zurückgeschickt werden können. Die Abschiebungen von Flüchtlingen in die Türkei sollen nach Angaben eines hochrangigen Vertreters der Türkei am 4. April beginnen. Für jeden syrischen Flüchtling unter jenen Menschen, die in die Türkei zurückgeschickt werden, soll ein bereits in der Türkei lebender Syrer nach Europa übersiedeln dürfen. Dies soll aber nur für bis zu 72.000 Syrer gelten. Für Flüchtlinge aus anderen Ländern wurde keine Vereinbarung getroffen. Damit dies auf einer rechtlich einwandfreien Grundlage steht, muss Griechenland die Türkei als sicheren Drittstaat anerkennen.

Es soll offiziell keine Massenabschiebung geben, denn das wäre laut internationalem und EU-Recht verboten. Die Aufnahme der Syrer aus der Türkei in der EU soll auf freiwilliger Basis erfolgen. Die EU spricht im Zusammenhang mit den Abschiebungen von „illegalen Migranten“, die also dann gegen „legale in der Türkei befindliche Migranten“, ausschließlich syrischer Herkunft, „ausgetauscht“ werden.

Im Gegenzug will die EU, unter der Voraussetzung, dass bis dahin alle 72 Vorgaben erfüllt sind, bis spätestens Juni die Visapflicht für Türk*innen aufheben. Außerdem verspricht die EU die Auszahlung von drei Milliarden Euro Hilfe für syrische Flüchtende in der Türkei zu beschleunigen und, wenn dieses Geld zweckmäßig ausgegeben wird, noch einmal bis zu drei Milliarden Euro für denselben Zweck zu zahlen.

Außerdem sollen die EU und die Türkei gemeinsam daran arbeiten, die humanitären Bedingungen in Syrien zu verbessern, da von dort die meisten Flüchtenden kommen. Hintergrund ist die wiederholte Forderung Ankaras, die EU solle die Schaffung eines geschützten Gebiets für Flüchtende in Syrien unterstützen.

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Pro Asyl bezeichnet das Abkommen mit der Türkei als „Schande für Europa“. Unter anderem moniert die Hilfsorganisation: „Nur wenn ein syrischer Schutzsuchender sein Leben bei der Überfahrt über die Ägäis riskiert und dann per Schnellverfahren zurückverfrachtet wird, entsteht ein Platz für einen anderen Schutzsuchenden aus Syrien, der dann legal und gefahrenfrei in die Europäische Union kommen darf.“ Insgesamt gilt auch das vorerst aber nur für insgesamt 72.000 Menschen – und das nicht etwa zusätzlich, sondern Medienberichten zufolge als Teil von bereits beschlossenen Aufnahmekontingenten.

Weiterhin stellt Pro Asyl fest: „Nicht nur, dass der Deal syrische Schutzsuchende gegen Menschen aus anderen Ländern ausspielt und Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten wie dem Irak, Afghanistan oder Eritrea Schutz in der Europäischen Union generell verwehrt bleibt, er lässt auch völlig außer Acht, dass die Türkei kein „sicherer Drittstaat“ für Flüchtlinge sein kann.“ Hintergrund ist, dass die Türkei den Schutz der Genfer Flüchtlingskonvention nur Flüchtlingen aus europäischen Ländern zusichert,  für Menschen, die aus anderen Ländern – wie Syrien, Irak oder Afghanistan – fliehen, gilt sie nicht. Dies zeige sich laut Pro Asyl auch in der Praxis:  „Flüchtlinge auch aus Syrien oder dem Irak werden in der Türkei willkürlich inhaftiert, es kommt sogar zu Abschiebungen.“ Damit verstießen die europäischen Staaten gegen die von ihnen unterzeichnete Genfer Flüchtlingskonvention, indem sie zwar nicht direkt in Gefährderstaaten abschieben, aber billigend in Kauf nehmen, dass dies möglicherweise die Türkei tut.

Der Geschäftsführer von Pro-Asyl, Günter Burkhardt erklärte: „Die EU verkauft die Menschenrechte von Flüchtlingen an die Türkei. Im Grenzstaat Griechenland drohen nun Pro-forma-Verfahren mit anschließender Masseninhaftierung und Massenabschiebung“.

Katrin Göring-Eckhardt, Grünen-Politikerin und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, sagt zum Ergebnis des EU-Gipfels: „Das ist zwar eine gemeinsame europäische Lösung, aber sie geht auf Kosten der Menschen auf der Flucht. Europa versucht sich aus seiner Verantwortung herauszukaufen. … Wenn Flüchtlingsgruppen miteinander verrechnet werden, ist das eines Rechtsstaats nicht würdig. … Es geht um individuelle Schicksale. Zudem ist die Türkei kein Land, in dem die Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt ist. In der Türkei werden Menschenrechte missachtet, die Pressefreiheit drastisch eingeschränkt, wird ein Bürgerkrieg gegen die Kurden geführt.“

Nach der Schließung der Balkanroute in Richtung Mitteleuropa harren in Griechenland aktuell, laut Krisenstab der Regierung in Athen, etwa 48.000 Migranten aus. Etwa 12.000 von ihnen befinden sich im improvisierten Lager von Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze.

Wir von der Hellas Solidarität Bochum können die Entscheidungen auf politischer Ebene zunächst nur kritisch zur Kenntnis nehmen. Aber wir setzen natürlich unsere Hilfsaktionen fort und folgen damit dem Aufruf des UNHCR, weiterer Organisationen und der griechischen Regierung. Viele Privatpersonen und kleinere Gruppen in Griechenland nehmen die Unterstützung der Flüchtenden einfach selbst in die Hand und organisieren die Verteilung von Lebensmitteln, Medikamenten, Zelten und vielem mehr.

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Bildnachweis: Alle Fotos in diesem Beitrag wurden während der Verteilungsaktion in Idomeni am 19.03.2016 aufgenommen und von der Initiative Solidarischer Frauenraum Thessaloniki zur Verfügung gestellt. ( ΧΩΡΟ ΑΛΛΗΛΕΓΓΥΗΣ ΓΥΝΑΙΚΩΝ, Βύρωνος 5 πλ. Ναυαρίνου, Thessaloniki)