Archiv für den Monat September 2016

Otto-Brenner-Stiftung der IG-Metall hat aktuell eine Studie zur Griechenlandberichterstattung von ARD und ZDF veröffentlicht

Die öffentlich-rechtliche Berichterstattung zur griechischen Staatsschuldenkrise

War die öffentlich-rechtliche Berichterstattung über die Griechenlandkrise neutral und ausgewogen? In welchem Verhältnis stehen positive und negative Wertungen über die beteiligten Akteure? Das OBS-Arbeitsheft 87 analysiert die Berichterstattung von „Tagesschau“ und „Heute“ und den Sondersendungen „Brennpunkt“ und „ZDF spezial“ zur griechischen Staatsschuldenkrise im gesamten Jahr 2015. Dabei werden erhebliche Probleme in der Qualität der TV-Berichterstattung identifiziert: Während die Berichterstattung der Nachrichtensendungen die Relevanz des Themas angemessen widerspiegelte und hier auch das Kriterium der Vielfalt erfüllt wurde, zeigten sich Mängel bei den Kriterien der Neutralität, der Ausgewogenheit und der analytischen Qualität. Im Kontext der wichtigen Bedeutung die einem funktionierenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk für die gelebte Vielfalt einer engagierten Zivilgesellschaft und für die Stabilität eines demokratischen Gemeinwesens zukommt, Stichwort Vertrauen, sollten die benannten Missstände dringlich wahrgenommen und künftig vermieden werden.

Telepolis berichtete über die Studie: http://www.heise.de/tp/artikel/49/49386/1.html

Und hier ist die Übersichtsseite der Studie mit den einzelnen Kapiteln zum Herunterladen:

PDF der Studie hier: https://www.otto-brenner-shop.de/uploads/tx_mplightshop/AH87_Griechenland_web.pdf

Im März 2016 hatte die Hans-Böckler-Stiftung bereits ihre Studie zur Berichterstattung in den Zeitungen veröffentlicht. Deutsche Medien haben über die griechische Schuldenkrise dieser Studie zufolge oft unausgewogen und oberflächlich berichtet. Die Berichterstattung sei mehrheitlich meinungsorientiert und wertend gewesen, hieß es in der am Mittwochabend in Berlin vorgestellten Untersuchung im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. So seien etwa Mitglieder der griechischen Regierung überwiegend negativ dargestellt worden.

Für die Studie untersuchten Wissenschaftler der Universität Würzburg die Griechenland-Berichterstattung im ersten Halbjahr 2015 am Beispiel der Tageszeitungen „Die Welt“, „Bild“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Süddeutsche Zeitung“ und „taz“ sowie der Onlineplattform „Spiegel Online“.

Bericht im Tagesspiegel vom 24.03.2016 hier: http://www.tagesspiegel.de/medien/studie-der-hans-boeckler-stiftung-deutsche-medien-berichten-unausgewogen-ueber-griechenland/13364784.html

http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_study_45_2016

Zusätzlich hat sich die Ständige Publikumskonferenz, ein Verein aus Leipzig, der sich die demokratische ‚Rückeroberung‘ des die eigenen rechtlichen Vorgaben der Rundfunkverträge zunehmend reichlich stiefmütterlich behandelnden öffentlich-rechtlichen Rundfunks zum Ziel gesetzt hat, eine Untersuchung des ARD/ZDF-„Story Tellíng“ zu Griechenland gründlich vor die Brust genommen und dabei auch die Journalistenausbildung der ARD/ZDF-Fernsehakademie beleuchtet. Als Eindruck kann hier geschaut werden:

https://publikumskonferenz.de/blog/2016/08/07/1523/

Ob die Einsicht in eine asymmetrische Berichterstattung auch auf die Politik der Bundesregierung wirken wird, bleibt abzuwarten. Skepsis ist geboten. Aber dass die wachsende Medienkritik auf die ÖR-Redaktionen einwirken könnte, ihren Job wieder solide zu machen und Multiperpektive zu ermöglichen, wäre ja schon ein richtiger Schritt in Richtung der Demokratisierung Deutschlands und der EU.

Solitaire ou Solidaire? Filmscreening – Diskussion – Rembetiko Live-Musik – 30.09.2016, 19.00 Uhr

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Einsam oder Gemeinsam?
Die Hellas Solidarität Bochum lädt ein, den dieses Jahr entstandenen Dokumentarfilm über die Solidarische Klinik von Thessaloniki anzuschauen und im Anschluss mit einer der Filmemacherinnen, Stavroula Poulimeni, und einer Aktivistin der Klinik, Eva Babalona, zu diskutieren.

Solitaire ou Solidaire?

Ein Film von: Eirini Karagkiozidou, Akis Kersanidis, Aimilia Kouyioumtzoglou, Kiki Moustakidou, Stavroula Poulimeni, Chrysa Tzelepi
70 Minuten (gr. m. dt. U.), Thessaloniki 2016
Wie kein anderes Land hat Griechenland unter der Finanzkrise und Austeritätspolitik Europas zu leiden. Folge ist u.a. ein weitgehender Zusammenbruch des Gesundheitssystems. Um dieser Entwicklung zu begegnen, haben sich Soziale Arztpraxen und Apotheken gegründet, die notleidende Griech*innen und Flüchtende versorgen.
 
Die Dokumentation zeigt die Enstehung, Entwicklung und den Arbeitsalltag der Sozialen Klinik in Thessaloniki (KIA), stellvertretend für über 200 Einrichtungen dieser Art in ganz Griechenland.
 

Für die solidarischen Initiativen stellt sich grundsätzlich die Frage, inwieweit sie staatliche Aufgaben und Verpflichtungen wahrnehmen wollen. Sind sie nur ein Pflaster für die fehlende staatliche Versorgung oder Keimzelle einer solidarischen Alternative?

  
Wo: bei ver.di in Bochum, Universitätsstraße 76,

Wann: am 30.09.2016, um 19.00 Uhr

Grußwort: Katharina Schwabedissen, Gewerkschaftssekretärin bei ver.di, Fachbereich 3 Gesundheit und Soziales
Der Abend wird musikalisch begleitet mit Rembetiko Live-Musik von Dimitris Pradekos und Freunden
Eintritt frei, um eine Spende wird gebeten
kleines Buffet und Getränke vorhanden